Versuch 72: Bierherstellung mal anders - Einleitung

"Wie das Bier im Sommer und Winter auf dem Land ausgeschenkt und gebraut werden soll", so steht es im Jahre 1516 vom bayerischen Herzog Willhelm den Vierten erlassenen Reinheitsgebot für die Fertigung des Deutschen liebsten Getränkes: dem Bier.

Bis heute haben sich die Grundsätze des Gebotes in Deutschland erhalten. Das Produkt des folgenden Versuches hat chemisch zwar überhaupt nichts mit Bier zu tun und würde das Reinheitsgebot auch nicht erfüllen, es sieht dem Bier aber ziemlich ähnlich.

Sicherheitssymbole

Demonstrationsversuch Schutzbrille tragen! Gesundheitsschädlich

Chemikalien

  • 2g Natriumhydrogensulfit
  • 15ml Spülmittel
  • 1.5g Kaliumiodat
  • 0.75g Natriumhydrogensulfat

Materialien

  • 1 Becherglas 1000ml
  • 2 Bechergläser 500ml
  • Rührstab

Durchführung

Zuerst werden zur Vorbereitung in den kleinen Bechergläsern zwei Lösungen angesetzt.

Lösung 1:

1.5g Kaliumiodat werden in 50mL warmen Wasser gelöst. Bei kaltem Wasser sollte man 0.75g Kaliumhydrogensulfat hinzugeben.

Lösung 2:

2g Natriumhydrogensulfit werden in 50mL Wasser gelöst.

Beide Lösungen werden gut umgerührt und vor Versuchsbeginn mit Wasser auf je 400mL aufgefüllt.

In das große Becherglas werden zu Versuchsbeginn 15mL Spülmittel gegeben. Mit Schwung schüttet man nun beide Lösungen in das große Becherglas. Sollte dabei nur wenig Schaum entstehen, kann man die Schaumkrone durch umrühren vergrößern. Die Reaktion zum künstlichen Bier läuft nach einigen Sekunden an.

Noch authentischer wirkt der Versuch, wenn man, wie auf dem Foto ein Bierglas und Getränkeflaschen verwendet. Die Geschichte dazu könnte lauten:

"Ich stelle nun aus Zitronenbrause und Mineralwasser Bier her."

Mit Bier hat das Gemisch wenig zu tun und deshalb sollte es auch nicht getrunken werden. In einer Show könnte man das Gemisch heimlich durch einen Mitarbeiter gegen ein Glas richtiges Bier austauschen lassen und dann einen kräftigen Schluck davon nehmen.

Entsorgung

Die Lösung wird mit Natriumthiosulfatlösung versetzt, bis die braune Färbung verschwunden ist. Die Lösung kann nun in den Ausguss gegeben werden.

Ergebnisse

Die hinter dem Versuch stehende Reaktion heißt nach ihrem Entdecker Hans Heinrich Landolt auch Landoltsche Reaktion. Hydrogensulfitionen reagieren in mehreren Teilschritten mit Iodationen langsam zu Hydrogensulfationen und elementarem Iod, dass für die gelbbraune Färbung verantwortlich ist.

IO3- + 3HSO3- → I- + HSO4-

IO3- + 5I- + 6H+ → 3I2 + 3H2O

HSO3- + I2 + H2O → 2I- + HSO4- + 2H+

Auf Grund der letztgenannten Reaktion, die die Bildung von Iod durch Hydrogensulfitionen wieder rückgängig macht läuft die Färbung erst ab, wenn alle Hydrogensulfitionen verbraucht sind, was die Verzögerung der Färbung erklärt.

Wärmeres Wasser oder eine höhere Protonenkonzentration in der Lösung erhöhen die Reaktionsgeschwindigkeit, weshalb entweder warmes Wasser verwendet werden sollte oder das Wasser mit Hydrogensulfaten angesäuert werden sollte.

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Hinweise

Die im Bierglas angesetzte Lösung darf keinesfalls getrunken werden und sollte nach dem Versuch entsorgt oder gekennzeichnet werden.

Versuchsvideo

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Versuchsbild

Bild zu Versuch: Bierherstellung mal anders

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NEU

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