Versuch 35: Die Hölle für einen Schokoweihnachtsmann - Einleitung

Die Hölle der Gummibärchen ist ein inzwischen weithin bekannter Schauversuch, der die spektakuläre Oxidation von organischen Bestandteilen durch ein starkes Oxidationsmittel, wie Kaliumchlorat oder Kaliumnitrat zeigt. Schön anzusehen ist dieses leuchtende und schmauchende Schauspiel allemal.

Aus einem solch bekannten Versuch muss doch aber für den naturwissenschaftlich Interessierten noch mehr heraus zu holen sein, oder? Die Reaktion beruht, wie schon erwähnt lediglich auf der heftigen Zersetzung bzw. Umsetzung des organischen Materials der Gummibären. Was also mit Gummibären funktioniert klappt auch mit anderem organischen Material.

Es ist also Vorsicht geboten, um nicht das körpereigene, organische Material zu gefährden. Zur Weihnachtszeit bietet es sich aber an anstatt der üblichen Gummibären einen Schokoweihnachtsmann in die Hölle zu schicken. Zum Einen finden Schokoladenweihnachtsmänner zumeist eh ein schnelles Ende und sind in solcher Vielfalt vorhanden, dass man sich um den Fortbestand ihrer Art nicht sorgen muss. Zum Anderen zeigt die Höllenfahrt des Schokoladenmannes vortrefflich seine versteckte Seite, die viele erst auf der Waage und an den stets gleichen Vorsätzen zum neuen Jahr bemerken.

Der Schokoladenweihnachtsmann enthält eine große Menge an Kalorien, oder genauer ausgedrückt chemischer Energie, die sich im Experiment in der Reaktion mit dem Oxidationsmittel zeigt und an der Hüfte im wahren Leben. Diese Energie lässt sich übrigens vortrefflich in einem Anschlussversuch bestimmen.

Das Zünden eines Schokoladenhaufens mit einem Bunsenbrenner lässt ein Schokoladenfeuer entstehen, das genügend Energie liefert, um in einer kleinen Pfanne darüber ein Spiegelei zu braten. Ähnlich, nur ohne Spiegelei wird der Brennwert, also der umsetzbare Energiegehalt von Lebensmitteln ermittelt. So ist der Schokoladenweihnachtsmann also ein umfangreiches naturwissenschaftliches Forschungsobjekt. Und seine Metallfolie? Auch hier lässt sich sicher einiges entdecken. Dazu aber erst an anderer Stelle mehr.

Sicherheitssymbole

Demonstrationsversuch Schutzbrille tragen! Im Abzug arbeiten! Leichtentzündlich Brandfördernd Neutralisieren!

Chemikalien

  • 10g Kaliumchlorat
  • Schokoweihnachtsmann

Materialien

  • großes Reagenzglas
  • Gasbrenner
  • Stativ
  • Klemme
  • Tiegelzange

Durchführung

6-10g Kaliumchlorat werden im Reagenzglas über dem Bunsenbrenner geschmolzen. Danach gibt man vorsichtig ein Stück eines Schokoweihnachtsmannes hinzu. Das Stück sollte nicht zu groß sein und keinen Hohlraum bilden, da es sonst herausgeschleudert werden könnte.

Entsorgung

Das überschüssige Kaliumchlorat wird mit wässriger Salzsäure verkocht und anschließend mit Natronlauge neutralisiert. Die Salzlösung kann in das Abwasser gegeben werden.

Ergebnisse

Das schmelzende Kaliumchlorat „blubbert“ beim Erhitzen. Die zugegebene Schokolade verbrennt unter intensivem lila-bläulichem Aufglühen, „tanzt“ auf der Salzschmelze und erzeugt ein eindringliches brummendes und zischendes Geräusch.

Ab 400°C bildet sich aus Kaliumchlorat Kaliumchlorid und Kaliumperchlorat. Kaliumperchlorat zerfällt rasch in Sauerstoff und Kaliumchlorid. Dieser Sauerstoff gibt der Reaktion unter anderem seine Intensität. Kohlenstoffatome in der Glucose und anderen organischen Strukturen der Schokolade werden bei der Reaktion unter Feuererscheinungen zu Kohlenstoffdioxid und Wasser oxidiert und Chloratome im Chlorat reduziert.

Aufgrund des Einsatzes von Glucose und weiteren Schokoladenbestandteilen als Brennstoff sind eine Vielzahl von Einzel- und Nebenreaktionen möglich, so dass eine einfache Reaktionsgleichung nicht angegeben werden kann. Generell lässt sich aber folgendes festhalten:

Organische Verbindungen + Kaliumchlorat → Kohlenstoff + Wasserstoff + Wasserdampf + Stickoxide + Sauerstoff

Die entstehenden Gase sorgen für den Tanz des Schokoweihnachtsmanns.

Navigation




1 Versuch zurück | 1 Versuch vor

Bewerten

Hinweise

Häufig verläuft die Reaktion heftig, so dass ein Teil des Kaliumchlorats mit entstehenden Kohlenstoffdioxid und Wasser aus dem Reagenzglas geschleudert wird. Daher sollte das Reagenzglas leicht schräg eingespannt und nicht auf Beobachter gerichtet werden. Auf Grund starker Rauchentwicklung sollte der Versuch vornehmlich im Abzug durchgeführt werden.

Versuchsvideo

auf youtube ansehen

Versuchsbild

Bild zu Versuch: Die Hölle für einen Schokoweihnachtsmann

Zum Vergrößern das Bild klicken!

NEU

Das Video und die Anleitung zum Versuch als Downloads findest du in unserem Shop auf netscience.de Schau vorbei und entdecke auch unsere neuen Experimente!