Versuch 3: Gummibärchenhölle - Einleitung

Schon Justus von Liebig, der Vater der experimentellen Chemie mag diesen Sinne reizenden Versuch gekannt haben. Liebig war neben seinen forschenden Arbeiten, die wichtige Grundlagen für die moderne Chemie legten, begeisterter Experimentator und wusste sogar öffentliches Publikum mit seinen Experimentalvorlesungen zu begeistern.

Viele seiner Schüler bildeten später die ersten Nobelpreisträger der Chemie aus. Ein Lohn seiner Fähigkeit die Schönheit der Chemie im Experiment darzustellen?

Die effektvolle Reise einer organischen Substanz (hier ein Gummibärchen) gen Himmel, durch das Oxidationsmittel Kaliumchlorat zählt zu den eindrucksvolleren Experimenten, die die Chemie zu bieten hat. Ein Dank also an Justus von Liebig, dass er die moderne Welt nicht nur mit der Erfindung des Brühwürfels, sondern auch mit solch eindrucksvollen Versuchen erfreut hat.

Sicherheitssymbole

Demonstrationsversuch Schutzbrille tragen! Im Abzug arbeiten! Gesundheitsschädlich Brandfördernd Neutralisieren!

Chemikalien

  • 10g Kaliumchlorat
  • Gummibär

Materialien

  • Reagenzglas (groß)
  • Stativ
  • Stativklemme
  • Muffen
  • Gasbrenner

Durchführung

6-10g Kaliumchlorat werden im Reagenzglas über dem Bunsenbrenner geschmolzen. Danach gibt man vorsichtig ein Gummibärchen hinzu.

Entsorgung

Das überschüssige Kaliumchlorat wird mit wässriger Salzsäure verkocht und anschließend mit Natronlauge neutralisiert. Die Salzlösung kann in das Abwasser gegeben werden.

Ergebnisse

Das schmelzende Kaliumchlorat „blubbert“ beim Erhitzen. Das zugegebene Gummibärchen verbrennt unter intensivem lila bläulichem Aufglühen, „tanzt“ auf der Salzschmelze und erzeugt ein eindringliches brummendes und zischendes Geräusch.

Ab 400°C bilden sich aus Kaliumchlorat Kaliumchlorid und Kaliumperchlorat. Kaliumperchlorat zerfällt rasch in Sauerstoff und Kaliumchlorid. Dieser Sauerstoff gibt der Reaktion unter anderem seine Intensität.

Kohlenstoffatome in der Gelatine und Glucose werden bei der Reaktion unter Feuererscheinungen zu Kohlenstoffdioxid und Wasser oxidiert und Chloratome im Chlorat reduziert. Aufgrund des Einsatzes von Glucose und Gelatine als Brennstoff sind eine Vielzahl von Einzel- und Nebenreaktionen möglich, so dass eine einfache Reaktionsgleichung nicht angegeben werden kann. Generell lässt sich aber folgendes festhalten:

Organische Verbindungen + Kaliumchlorat → Kohlenstoff + Wasserstoff + Wasserdampf + Stickoxide + Sauerstoff

Die entstehenden Gase sorgen für den Tanz des Gummibärchens.

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Hinweise

Häufig verläuft die Reaktion heftig, so dass ein Teil des Kaliumchlorats mit entstehenden Kohlenstoffdioxid und Wasser aus dem Reagenzglas geschleudert wird. Daher sollte das Reagenzglas leicht schräg eingespannt und nicht auf Beobachter gerichtet werden. Auf Grund starker Rauchentwicklung sollte der Versuch vornehmlich im Abzug durchgeführt werden.

Versuchsvideo

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Versuchsbild

Bild zu Versuch: Gummibärchenhölle

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